1963 präsentiert der ausgebildete Komponist Nam June Paik seine legendäre Ausstellung „Exposition of Music, Electronic Television“ in der Galerie Parnass in Wuppertal. Neben vier präparierten Klavieren stellt Paik 13 manipulierte TV-Geräte aus und eröffnet damit die Geburtsstunde der Videokunst. Paiks Umgang mit dem Fernsehen zeugt nicht nur von seinem Interesse an aktueller Technologie, sondern verdeutlicht, wie er die Bedingungen der Bildproduktion und Bildsendung hinterfragt und dabei die Manipulierbarkeit des Mediums offenlegt. „Zen for TV“, ein Relikt dieser Ausstellung, verweist als seiner Form und Funktion beraubtes Objekt auf einen Sabotageakt. Statt des laufenden Fernsehprogramms sieht man das abstrakte Formereignis einer vertikalen leuchtenden Linie auf dem sonst dunklen Bildschirm, der obendrein noch ins Hochformat gekippt wurde. Durch einen Eingriff an der Bildröhre werden die Bilder zwar nach wie vor gesendet, doch ist ihre kontinuierliche Entfaltung gedrosselt, weshalb sie unsichtbar bleiben. Paik führt das Spektrum der über den Bildschirm verteilten Informationen auf eine Linie zurück und kontrolliert so den kontinuierlichen Impuls des Elektrons auf eine leuchtende Spur. Im Zustand der Komprimierung sind die sonst so flüchtigen Bilder fixiert. Mit dem Titel „Zen for TV“ spielt der gebürtige Koreaner auf den Buddhismus und die ostasiatische Lebensphilosophie an. Das Fernsehgerät wird bei Paik zum Objekt der Stille und der Versenkung.